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18.10.2018Review: Day 1


Glorioses Scheitern bleibt erlaubt

 

20 Jahre Poetry Slam in der Schweiz: Zelebriert wurde dies am ersten Abend des woerdz 2018 mit einem Mehr-Generationen-Wettstreit – und einem Vorgeschmack auf das, was die Szene zukünftig für uns bereithält.

 

Mit lockerem Schritt und wehendem Haar tritt Etrit Hasler auf die Bühne, den Mikrophonständer auf der Schulter, sein Blick den Zuschauenden zugewandt – bereit, deren volle Aufmerksamkeit zu gewinnen. Doch diese soll nicht ihm gelten, sondern den sieben Poetinnen und Poeten des «U18-Slam». Die Jugendlichen aus Luzern und Sursee hatten die literarische Bühnenkunst in einem Schulworkshop kennengelernt – und sich für den Auftritt am woerdz 2018 qualifiziert. Je sechs Minuten hatte der Nachwuchs Zeit, um die Gunst des Publikums zu gewinnen.

 

Es folgten humoristische, satirische und philosophische Texte, wie «Eigentlich möchte ich tanzen» der Gewinnerin Sophia. Die 17-jährige Schülerin trug eine Ode an die Freiheit vor – an jene Freiheit, das Leben so zu leben, wie man es eben möchte: Mit eigenen Bewegungen, die keinen fremden Rhythmen folgen, keinen fremden Klängen, sondern nur denen im eigenen Ohr.

 

Und mittendrin eine brennende Bialetti

Im Anschluss folgte der «20 Jahre Poetry Slam», ein Dichterwettstreit zwischen vier Generationen. Moderiert von Hazel Brugger, deren augenzwinkernd-bösen Sprüche nicht selten Cello Inferno galten, der den Abend musikalisch untermalte. «Mit deiner blauen Latzhose erinnerst du mich irgendwie an Stuart Little», sagte Hazel zum bärtigen Musiker, der gut einen Kopf grösser ist als sie.

 

Das Publikum lachte, schmunzelte und tobte – und wählte vier Slammerinnen und Slammer ins Finale: Patti Basler, Miriam Schöb, Suzanne Zahnd und Gabriel Vetter. Letzterer entschied mit seiner Lobeshymne an Grossmütter und seiner Standpauke an die Natur den Wettstreit für sich. Die Zugabe schloss er dann mit seinem Wunsch ab, einen wasserdichten Hund zu haben, währenddessen die Bialetti von Cello Inferno – als Teil seines Drumsets – neben ihm in Flammen aufging.

 

«Slam Poetry soll weiterhin eine Gelegenheit für Menschen bleiben, die sich mit Worten auf der Bühne ausdrücken möchten», antwortet Gabriel auf die Frage, was er sich für die Dichtkunst wünscht. In dieser Manier wird auch das woerdz fortgeführt: Als Experimentierfeld, in dem man nicht nur reüssieren, sondern auch glorios scheitern darf.

 

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