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21.10.2018Review: Day 4


Ein Aufeinandertreffen

 

Der letzte Abend des woerdz hatte so Einiges zu bieten. Während Persönlichkeiten der Schweizer Mundartliteratur auftraten, traf Spoken Word auf Jazz, künstliche Intelligenz auf menschliche Emotionen.

 

Es war ein vielseitiger Abend. Den Anfang machten zwei Persönlichkeiten der Mundartliteratur: Michael Stauffer und Pedro Lenz. Doch ob es bei einem gemischtsprachlichen Publikum das Richtige sei, nur auf Schweizerdeutsch zu sprechen, hatte sich Stauffer vor seinem Auftritt gefragt. So trug der in Winterthur lebende Autor neben seinen Erzählungen über einen Clown, der mit der Dampfwalze über die Mathe-Hausaufgaben eines Schuljungen fährt, auch in anderen Sprachen vor. Um beispielsweise die französischsprachigen Freunde miteinzubeziehen, rezitierte er einen Text auf Berndeutsch – mit französischem Akzent.

 

Auf Stauffer folgte Lenz, der die Zuschauerinnen und Zuschauer mit seinen Erzählungen geografisch nicht weit von Bern transportierte – ins Emmental. Er sprach über Klischees wie Meringue, Schwingen und Handörgeli. Über die Lueg, wo man «gäbig zueluege cha, wie alli lueged». Und schliesslich über Beobachtungen, die man anstellt, während man «schnell Gschwellti macht» und wie man sich dabei fragt, «warum das Leben so kurz ist, aber doch so lange Zeiten hat».

 

Spoken Word meets Jazz

Zu kurz kam einem der eineinhalbstündige Auftritt von Saul Williams mit dem David Murray Quartet vor, wobei Spoken Word und Jazz auf einer Bühne vereint wurden. Williams strahlte, wie bereits am Abend zuvor, eine grosse Präsenz aus, hielt sich zeitweise aber gleichzeitig im Hintergrund, um den Musikern die Bühne zu überlassen. «Ich tauchte heute in ihre Welt ein», meinte er im Gespräch nach dem Auftritt. Auch beeindruckend: Das Saxophon-Solo von David Murray, dessen Klänge so kraftvoll wie Saul Williams Worte waren.

 

«I think I am human»

Den Abend schlossen Slammerin Raych Jackson und Programmierer Urs Hofer ab. Für ihren Werkauftrag «Sprache der Zukunft – Zukunft der Sprache» arbeiteten sie mit Bots, die mit zwölf Lautsprechern live auf die Bühne geschaltet wurden. Während Jackson über die Vermittlung menschlicher Gefühle durch Sprache thematisierte und die Frage stellte, inwiefern künstliche Intelligenzen ebendiese Emotionen wahrnehmen, schalteten sich immer wieder die Bots dazwischen, um mit ihrem Gesprochenen zu interagieren. «I think I am human», sagte einer der Bots, worauf ein anderer fragte: «How do you know?».

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