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20.10.2018Werkauftrag «Zukunft der Sprache – Sprache der Zukunft», Teil 2


Henochisch 2.0 Alchemisten der Sprache

 

Schon mal von Henochisch gehört? Dann sind Sie vermutlich nicht in die Geheimnisse des Okkultismus eingeweiht. Die zweite Werkschau am woerdz unternahm das irrwitzige Unterfangen, die magische Sprache in das digitale Zeitalter zu transportieren.

 

Blutrotes Licht, Nebel und ein kalter Luftzug im Nacken. Auf dem Tisch zwei Kerzen – und ein Laptop. Auf der Leinwand dahinter: unverständliche Symbole und Zeichen. Es ist die Bühne von Autor Gion Mathias Cavelty und Illustratorin Lika Nüssli.

Henochisch ist eine sogenannte magische Sprache. Sie soll im 16. Jahrhundert erstmals dem britischen Alchemisten John Dee durch ein Medium übermittelt worden sein – von den Engeln. Es gibt ein Alphabet, einen Wortschatz und eine Grammatik. Es gibt heilige Tafeln, Symbole und geheime Rufe – mit denen die Kräfte und Elemente freigesetzt werden sollen.

 

Cavelty und Nüssli, die noch nie zuvor kollaborierten, hatten sich vier Tage zusammen in eine Villa eingesperrt, mit einem Ziel: Henochisch 2.0 zu finden und der Frage nachzugehen, wie sich alte Magie und digitale Illustration verbinden lassen.

 

«Es chrüslet chli uf de Lippe»

Und so gab es am dritten woerdz-Abend eine bizarr-okkulte Mitternachtszeremonie zu sehen, welche die Uralt-Magiesprache mit Live-Multimedia zu einem Hexengebräu zu vermengen versuchte. Beifuss wurde jedoch keiner verbrannt, weil Cavelty seinem Heuschnupfen nicht traute.

Und so gab es Aufzeichnungen magischer Rituale der vergangenen Tage, live gezeichnete Übersetzungen ins Hier und Jetzt, gemurmeltes Kauderwelsch, als ob die seltsamsten Götter beschwört werden müssten. «Es chrüslet chli uf de Lippe», sagte Lika Nüssli nach dem Rezitieren von Zaubersprüchen.

 

Für das Publikum und die Künstler gleichermassen ein Experiment, auf das man sich einlassen wollen musste. Eine Herausforderung, den Bogen von einer konstruierten Sondersprache aus dem 16. Jahrhundert ins Internet-Zeitalter zu spannen. Und als ein Wackelkontakt den Laptop lahmlegte, zeigte sich: Vielleicht gewinnt im 21. Jahrhundert die Technik doch gegenüber schwarzer Magie.

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