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21.10.2018Werkauftrag «Zukunft der Sprache – Sprache der Zukunft», Teil 3


Wenn Roboter die wichtigen Fragen stellen

 

Was geschieht, wenn eine Poetin und zwölf Bots zusammen in den Dialog treten? Der dritte woerdz-Werkauftrag von US-Poetin Raych Jackson und Programmierkünstler Urs Hofer zeigte einen schrägen, seltsam berührenden Austausch zwischen Mensch und Maschine.

 

Warum hast du eigentlich Angst? Ja, warum eigentlich? «Why are you scared?», fragte Raych Jackson aus Chicago in den dunklen Bühnenraum des Südpol Luzern hinein. Sie horchte nicht lang – die Antwort kam umgehend: «Because I don’t want to get hurt». Die scheppernde Stimme mit der simplen und treffenden Antwort kam nicht etwa aus einem Mund, sondern von einem Bot.

 

Programmierer und Künstler Urs Hofer war nicht auf der Bühne zu sehen – er hielt hinter ihr ein Auge auf seinen Computer, für den Fall der Fälle. Wäre die Technik ausgefallen, hätte die Show nicht funktioniert.

 

Ein künstlich-intelligenter Aufruf

Zum Beispiel, als Jackson auf der Bühne die Frage des Werkauftrags formulierte: «What is the future of language?». Ihr algorithmisches, künstlich-intelligentes Gegenüber wurde konkret: «With your mouth». Ein Aufruf zum gesprochenen Wort! Und so wurde aus den Bots, die unsichtbar via Boxen ihren Raum auf der Bühne einnahmen, doch irgendwie Spoken-Word-Künstlerinnen und -Künstler.

 

Einen schönen, poetischen Abschluss fand die Show, als Jackson ihren Bots klarmachte, dass sich Sprache entwickle und an sich selbst wachse. «Language should grow!», rief sie ihnen zu. Und ihre Bots stellten ihr die Gegenfrage, die sich jeder und jede von uns auch fragen könnte: «Then why don’t you speak?».

 

«With your mouth!»

Hofer hatte zwölf Bots programmiert, die auf Stichworte und Befehle von Jackson reagierten – und auf einander. Der Inhalt dieser Reaktion aber, das war für alle Beteiligten überraschend. Aus der Zufälligkeit der Interaktion heraus entspann sich am finalen woerdz-Abend ein Dialog zwischen der lebenden Poetin und den Algorithmen, der zum Schmunzeln, zur Irritation und manchmal auch zum Nachdenken anregte.

 

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Laurie Anderson am woerdz Festival I'm Südpol Luzern
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